Visitation von Kirchengemeinden – was verbirgt sich dahinter?

Visitation

Die Visitation ist in unserer Landeskirche (EKHN) durch das Visitationsgesetz und der Visitationsverordnung geregelt. Das Visitationsgesetz wird von unserer Kirchensynode beschlossen und die dazugehörige Ausführungsverordnung von unserer Kirchenleitung. In diesem Gesetz und der der Verordnung stehen unter anderem folgendes über die Aufgaben und Ziele der Visitation:

  • Niemand kann für sich allein Christin oder Christ sein; wir sind aufeinander angewiesen. Christliche Gemeinden leben von den Beziehungen untereinander. Sie brauchen den Austausch mit den anderen, sind angewiesen auf Hilfen und benötigen das kritische Gespräch.
  • Durch eine wertschätzende Wahrnehmung von außen erfahren die Besuchten Bestätigung, Anerkennung und Impulse für die zukünftige Arbeit.
  • Die Visitation hat die Aufgabe, die Besuchten durch Anerkennung der bisherigen Arbeit zu ermutigen und die beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken. Zum Abschluss der Visitation vereinbaren Gemeinden Ziele ihrer künftigen Arbeit.

In unserem Dekanat Wetterau wurde die Visitation so organisiert, dass sich zwei Gemeinden gegenseitig besuchen. Dabei wurden pfarramtlich verbundene Gemeinden als eine Besuchseinheit gesehen. Im Dekanat Wetterau wurde darauf geachtet, dass sich Gemeinden mit ähnlicher Struktur und Größe besuchen. Pfarramtlich verbundene Gemeinden wurden anderen pfarramtlich verbundenen Gemeinden zugeteilt. Weiterhin wurde darauf geachtet, dass nicht gerade die Nachbargemeinde ‑ die man sowieso kennt ‑ zugeteilt wurde. So kam es, dass die pfarramtlich verbundenen Gemeinden Burg-Gräfenrode und Okarben den pfarramtlich verbundenen Gemeinden Pohl-Göns und Kirch-Göns zugeteilt wurden.

Die gegenseitigen Besuche sind abgeschlossen und die Kommissionsberichte liegen vor. Die Kommissionsmitglieder aus Pohl- und Kirch-Göns hatten uns am 8. und 9. Oktober 2016 besucht. Am 09.10.2016 fand zu diesem Anlass eine Gemeindeversammlung in Okarben statt. Es war die erste gemeinsame Gemeindeversammlung von Burg-Gräfenrode und Okarben. In unserer Gemeindeversammlung hatten Vertreter von Politik, Schulen und den örtlichen Vereinen deren „äußere“ Sicht auf unsere beiden Kirchengemeinden dargestellt. Als zweites hatten die verschieden Gruppen aus unseren Kirchengemeinden eine „Innenansicht“ kundgetan. Für die Kommissionsmitglieder und für uns selbst brachte dies interessante Einblicke.

Nachdem in unserem Dekanat alle Kommissionsberichte vorliegen, werden die einzelnen Auswertgespräche durchgeführt. An dem Auswertgesprächen nehmen folgende Personen / Gruppen teil: Probst Mattias Schmidt, Dekan Volkhard Guth, Pfarrer Christoph Gerken (beauftragter für die Durchführung der Visitationen), Kommissionsmitglieder der Besucher und der Kirchenvorstand (die Kirchenvorstände) der besuchten Gemeinde/n. Für Probst, Dekan und Visitationsbeauftragten bedeutet dies ein straffes Zeitmanagement. Von Januar bis April 2017 müssen diese drei Personen 43 Kirchengemeinden besuchen um die Auswertgespräche durchzuführen.

Für Burg-Gräfenrode und Okarben fand die Auswertung am 10.01.2017 im Gemeindezentrum in Okarben statt. Neben der Besprechung des Kommissionsberichtes wollten Probst, Dekan und Visitationsbeauftragter wissen, wo uns der „Schuh drückt“. Schnell stellte sich heraus, dass Kirchenvorstände mit der Verwaltungsarbeit überlastet werden. Dies trifft die Kirchengemeinden noch stärker, wenn eine Kindertagesstätte betreut wird. Dabei wurde weiterhin deutlich, dass insbesondere zahlenmäßig kleine Kirchenvorstände sehr stark belastet sind. Aus der Sicht von den beiden Kirchenvorständen Burg-Gräfenrode und Okarben wurde daher klar gefordert, dass die Verwaltungsarbeit vereinfacht werden muss und dass bei der nächsten Pfarrstellenbemessung die Kindertagesstätten weiterhin berücksichtigt werden müssen! Wenn ehrenamtliche Kirchenvorstandsmitglieder ihre Energie in Verwaltung stecken, bleibt für die eigentliche Arbeit in den Kirchengemeinden zu wenig Zeit. In dem Auswertgespräch wurden Ziele unser beiden Gemeinden herausgearbeitet. Die nächsten Schritte sind, dass die beiden Kirchenvorstände Burg-Gräfenrode und Okarben diese Ziele formulieren, beschließen und Sie dem Dekanat zur Kenntnisnahme senden. Der Dekanatssynodalvorstand hat dann die Aufgabe, nach einem Jahr ein Gespräch über das Erreichen der Ziele mit uns zu führen.

Übrigens hat den Verantwortlichen (Probst, Dekan und Visitationsbeauftragten) die Struktur unser Gemeindeversammlung anlässlich der Visitation mit „Außen- und Innenansicht“ so gut gefallen, dass dies bei künftigen Visitationen allen Gemeinde empfohlen werden soll.

Walter Donges

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