Kirchengebäude in Burg-Gräfenrode

Die Kirche in Burg-Gräfenrode

Die Pfarrkirche in Burg-Gräfenrode zählt zu den so genannten Reinhardskirchen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie wurde in den Jahren 1726–1727 nach dem Abriss des mittelalterlichen Vorgängerbaus erbaut. Sie ist ein schlichter Saalbau mit hohen Rundfenstern. Der Dachreiter mit der Glockenstube wird von einer zweigestuften welschen Haube gekrönt.

Die Innenausstattung aus dem 18. Jahrhundert ist fast unverändert erhalten und stellt ein schönes Beispiel hessischer Bauernkunst dar. Die dreiseitige hölzerne Empore ist mit Bildern der Apostel und Evangelisten bemalt; die Bilder schuf der Stadener Maler Bockhardt. Der schlichte Orgelprospekt stammt aus dem Jahr 1781; das Werk wurde 1911 erneuert.

1876 wurden neun barocke Grabtafeln aus Sandstein, vor allem von Angehörigen der Familie von Carben, aus dem Altarraum entfernt und an der Außenwand der Kirche aufgestellt; die Inschriften sind seither bis zur Unleserlichkeit verwittert. Der kleine Kirchhof ist von einer alten Bruchsteinmauer umgeben.
Quelle: wikipedia

 

Geschichte der Oberburg und der gesamten Burganlage 

Die Oberburg ist die einzige noch erhaltene Burg des Dorfes. Sie wurde 1429 erstmals als die „Oberste Wonunge daz Steynen Huß mit Syme Begriff, daz stet Friedrich zu“ im Lehnsrevers des Herdan von Carben1 erwähnt und diente bis zu deren Aussterben 1729 als Sitz von Angehörigen der Familie von Carben. Sie wurde ursprünglich im gotischen Stil erbaut. Die Oberburg als steinernes Haus mit allem Zubehör gehörte demnach dem Friedrich von Carben.

Zwischen 1550 und 1565 wurde sie im Renaissancestil erweitert; zumindest finden sich diese Jahreszahlen an zwei Fenstern des runden Treppenturms, der dem Wehrbau im Zuge des Umbaus an der nördlichen Querseite vorgebaut wurde.2 Die Erschließung der oberen Geschosse durch einen vorgelagerten Treppenturm ist typisch für Renaissanceschlösser.3

Im 18. Jahrhundert erfolgte die heute dominierende Umgestaltung im Barockstil.4 Aus dieser Zeit stammen der achteckige Aufsatz und die welsche Haube des Treppenturms  sowie das schieferne Mansarddach. Charakteristisch für den Bau ist sein rosaroter Anstrich, der ursprünglich mit Ochsenblut angerührt wurde.

Die Oberburg bildete den Schwerpunkt der Dorfbefestigung und sicherte das Dorf gegen Norden und Osten. Die Wassergräben um die Burg wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg trockengelegt. Seit 1867 ist die Burg im Besitz der Kirchengemeinde, in diesem Jahr wurde auch das alte Burgtor abgerissen und Graben und Zwinger zugeschüttet. Heute beherbergt die Burg im Erdgeschoss einen Kindergarten, in den oberen Stockwerken befinden sich Arbeitsräume der Kirchengemeinde und Wohnungen. Der etwa 6.500 m² große parkähnliche Burggarten ist der Öffentlichkeit zugänglich und unter anderem mit Kirsch- und Birnbäumen bepflanzt. Der Burggarten wird heute insbesondere von der Dorfjugend als Bolzplatz genutzt und ist außerdem mit einer Tischtennisplatte, einer Feuerstelle und einem Spielplatz ausgerüstet.

 

Der Lieselturm

Der einzige noch erhaltene Eckturm der Burganlage ist der so genannte Lieselturm. Dieser Rundturm schützte das Burgtor und den Eingang zum Zwinger und war zudem das Burgverlies. Die Denkmaltopographie berichtet:

„Das Areal der Oberburg war ursprünglich vollständig von einer Ringmauer umgeben. Von ihr ist ein 1563 inschriftlich datierter Rundturm [der Lieselturm] erhalten, der die Süd-Ost-Ecke des alten Mauerverlaufes sicherte. Turm und Kernbau der Burg sind aus baugeschichtlichen und ortsgeschichtlichen Gründen Kulturdenkmale. Die gesamte, von der Ringmauer umgebene Fläche, die sich im heutigen Parzellenbild noch als Einheit abzeichnet, ist in die kleine Gesamtanlage des Ortskerns von Burg-Gräfenrode einbezogen.“

Im ersten Stock eröffnet ein spitzbogiges Sandsteinportal den Eingang in den runden Innenraum, der über eine viereckige Öffnung im Fußboden mit dem unterirdischen Verlies verbunden ist. Auch der zweite Stock des Turmes, ein von einem Zeltdach gekrönter achteckiger Fachwerkaufsatz, diente als Gefängnis. Neben der Türöffnung an der Nordseite befand sich an der Südseite des Turmes eine kleine durch eine Klappe verschlossene Öffnung, über die dem Gefangenen Nahrung gereicht werden konnte, ohne die Tür zu öffnen. Früher war das 2. Geschoss nur über eine Leiter erreichbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es durch eine hölzerne Treppe erschlossen.2

Die Klappe, eine gusseiserne Platte mit einer Reliefdarstellung des Jüngsten Gerichts, ist heute vor dem Turm aufgestellt. Bei einer Grabung wurde im September 1979 das Verlies im Turm freigelegt. Die sich bis heute hartnäckig im Dorf haltende Überzeugung, dass es einst einen geheimen Fluchttunnel von der Burg oder dem Lieselturm nach Ilbenstadt gegeben habe, konnte jedoch nicht bestätigt werden.

Der Lieselturm und die Figur der Liesel sind das Wahrzeichen des Ortes. Einmal im Jahr liest eine Vertreterin des hiesigen Heimat- und Kulturvereins – im historischen Lieselkostüm – den Kindergartenkindern die Lieselsage vor.

Anlässlich der 600-Jahr-Feier des Dorfes im Jahr 2005 wurde auf dem Verkehrskreisel am südlichen Ortseingang eine hölzerne Statue der sagenhaften Liesel aufgestellt.